Journalistische Beiträge zur Schriftdebatte

14. Oktober 2016: "Arme Handschrift: Stirbst Du jetzt aus?"

war der Titel einer Sendung aus der Reihe SOZUSAGEN des Bayrischen Rundfunks (BR), in der Prof. Dr. Ursula Bredel als Schriftexpertin mit dem Redakteur Hendrik Heinze über den Schreiberwerb diskutiert. http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/sozusagen/1410-2016sozusagen-100.html

Ute Andresen hat dazu die aus ihrer Sicht wichtigsten Aspekte der Sendung zusammengefasst. Zum Kommentar

Verstehen im Unterricht ist an  Mitdenken gebunden, und das braucht LehrerInnen, die gegenüber den Lernenden mit ihrer Person dafür einstehen, dass es für sie etwas Wichtiges zu lernen gibt. – So der Kern des Interviews der Badischen Zeitung vom 20.10.15 mit  Ralf Lankau. Zum Interview mit Ralf Lankau.

Christian Fischer, Professor für Erziehungswissenschaften an der Uni Münster, findet es problematisch, dass Kinder heute nach Lust und Laune, aber nicht nach Rechtschreibregeln lesen und schreiben lernen. Das sagte er im Interview mit den Westfälischen Nachrichten am 13.08.2015. Zum Interview mit Prof. Fischer

"Smartphones und Tablets bringen Schülern nichts" titelt die Wirtschaftswoche am 13.Juli 2015 und lässt Prof. Klaus Zierer für Anstrengung und Übung plädieren. Ohne die ist wenig zu lernen. Zu digitalen Lernangeboten mit BLINK und PLOP sagt er: "Kinder und Jugendliche, die mit diesen Programmen arbeiten, verschwenden den Großteil ihrer kognitiven Leistungen damit, die Reize zu sortieren und zu selektieren,..."

Zum Beitrag der Wirtschaftswoche

Grundschrift überzeugt nicht.
Susanne Gaschke geht im Februar 2015 der "rosig schimmernden Verheißung" Grundschrift nach, einer Schrift aus Einzelbuchstaben mit gelegentlicher Verbindung. Sie berichtet: "Argumente für den Erhalt der Schreibschrift nennt Agathe Schründer-Lenzen, Professorin für Allgemeine Grundschulpädagogik und -didaktik an der Universität Potsdam: 'Wir lernen ja die Rechtschreibung nicht, indem wir ein Wort einmal angucken', sagt sie: 'Wir brauchen Einsicht, wie ein Wort richtig geschrieben wird sowie viele Wiederholungen richtiger Wortschreibungen, bis wir sie völlig automatisch schreiben können.' Das Gehirn speichere auch die Schreibbewegungen. 'Wir haben ein motorisches Gedächtnis, und die gut eingeübte, automatisierte Bewegungsabfolge hilft uns, die richtige Schreibung zu erinnern, ohne groß darüber nachzudenken'."
Gaschke lässt auch die Grundschriftler ihre Position erläutern, sich aber nicht überzeugen. Sie schließt: "Möglicherweise ist es Zeit, nach all den Versuchen, die "naturwüchsige" Entwicklung des Kindes gegenüber der Instruktion in den Vordergrund zu stellen, nun einmal mehr den Verfechtern von Einheitlichkeit und gemeinsamen Lernfortschritten zuzuhören."
Die Schreibschrift weicht dem großen Geld

Computerland Finnland hat im Dezember 2014 verkündet: Mit dem Lehrplan 2016 sind finnische Schulen nicht mehr verpflichtet, Schreibschrift zu unterrichten. Druckschrift und digitales Schreiben sollen genügen. - Ute Andresen folgerte: "Wer der Handschrift die Ausbildung durch eine flüssig verbundene Schreibschrift nimmt, schafft den Grund dafür, sie bald ganz abzuschaffen." Christian Füller zeigt, wie die Entsorgung der Schreibschrift Raum schafft für Firmen, die mit der digitalen Ausrüstung der Schulen Milliarden verdienen wollen. Den vollständigen Artikel kann man beim FAZ-Archiv kaufen. Einen Einblick gibt

der Blog von Christian Füller

Zwei Kommentare zu Füllers Artikel beschreiben Folgen der Verdrängung der Schreibschrift für die Lernenden. Anette Gampe, Therapeutin im Lernzentrum Oberland, verweist auf einen Zusammenhang zwischen Druckschrift, Vereinfachter Ausgangsschrift und LRS/Legasthenie. Den Kommentar finden Sie in Füllers Blog weiter unten nach dem Artikel.
H. Wittman erläutert in seinem Frankreich-Blog seine These: "Erst wenn das Schreiben von Texten mit der der Hand bewältigt wird, dann macht auch der Computer im Französischunterricht Sinn." Zum Blog

Wenn Schule an der Handschrift scheitert. 22.04.2015.

Der "Kölner Stadtanzeiger" führte unter Bezug auf eine Umfrage mit etwa 2000 Lehrern zur Handschrift von Schülerinnen und Schülern ein Interview mit Maria-Anna Schulze Brüning. Maria-Anna Schulze Brüning ist Lehrerin an einer Gesamtschule in Hamm und untersucht seit Jahren die Handschriften der Schüler. Link zum Interview

FragdenLesch.zdf.de – Wie wirkt die digitale Welt auf unser Gehirn? 24.02.2015.

Lesch fragt: „Macht die digitale Welt dumm?“ Das nicht, aber: „Bevor man jemand auf das Netz loslässt, muss er lesen und schreiben lernen, und zwar richtig gut.“ Dazu Balladen auswendig lernen, Kunst, Musik, Sport und vor allem: geistige Unabhängigkeit erwerben (wir haben einen Drang dazu!) – Grundfrage: Menschsein in Gegenwart des Netzes.

Film bei Youtube

"Die neue Finn-Schrift: Druckbuchstaben und tippen am Display". 21.01.2015.

Ralf Lankau kommentiert die Nachricht, in Finnland sei nur noch die Druckschrift verbindlich zu vermitteln. Dem Jubel der Tablet-Fans setzt er entgegen: "Das Schreibenlernen von verbundenen Buchstaben ist wie das Spielen eines Instruments: vielschichtig, sinnlich und es fördert die Entwicklung der ganzen Person." Beitrag auf der Seite der GBW

"Stellungnahme zur Grundschrift". 21.12.2014.

Ute Andresen: "Kinder brauchen Schreibschrift". ZDFheute.de bat im Dezember 2014 um eine knappe Stellungnahme zur Handschrift. Zu finden ist sie mitsamt einem Foto des ZDF, das zeigt, wie Kinder ihren Bleistift nicht halten sollten (der Daumen greift über Stift und Zeigefinger, statt den Stift zu stützen). Zum Beitrag bei ZDFheute.de

"Das Schreiben verlernen - schon in der Grundschule". 11.07.2014.

In einem Fachbeitrag der Gesellschaft für Bildung und Wissen e.V. schreibt Ralf Lankau: "Orthographie und Grammatik sind notwendig normativ, wenn wir uns mit Hilfe von Schriftsprache verbindlich verständigen wollen." Was Lankau hier entwickelt, wäre zu ergänzen: Mit der Hand geschriebene Schreibschrift hilft, über Orthographie und Grammatik intuitiv zu verfügen. Zur Seite der GBW

Lasst die Schnörkel leben! 07.12.2011.

Unter diesem Titel plädierte Lothar Müller in der Süddeutschen Zeitung für die (echte) Schreibschrift und gegen die Grundschrift. Zum Archiv der SZ

A K T U E L L:

Der Wert der Handschrift als Thema des Interviews mit U. Andresen (WDR 3 am 20.11.2017). Siehe Seite "Aktuelles"

 

Schulze Brüning/Clauss: Wer nicht schreibt, bleibt dumm. Hinweis und Rezension auf der Seite "Aktuelles". Dort finden Sie auch den Link zum Interview von FOCUS online mit M-A Schulze Brüning

 

Letzte Änderungen:

SAS 2014: Buchstabentafel auf Seite "Unterricht - Schrifterwerb" hinzugefügt.

Seite "Schriftgeschichten" (Videos) eingefügt (24.04.16)

Seite 'Unterricht' eingefügt (10.11.15)

Z I T A T E

Denn wie das Wort und die Musik ist die Schrift der Atem der Seele.

Helene von Nostitz

Der iPhone-Wahnsinn, das ständige Googeln beunruhigen mich, genau wie die Tatsache, dass die Schreibschrift ausstirbt. Ich trage meine Termine handschriftlich in meinen Kalender ein. Für mich wäre es ein Trennungsgrund, wenn mein Freund behaupten würde, dass es keinen Unterschied macht, ob man ein digitales oder auf Papier gedrucktes Buch liest.

Trixi Haberland

So schwer auch dem Anfänger das Erlernen der Schreibtechnik, d. h. des Aufbaus eines besonderen motorischen, des schreibmotorischen Systems, fallen mag - selbst wenn er diese Technik beherrscht, bleibt der Übergang von der mündlichen zur schriftlichen Mitteilungsform für viele ein bis in das Erwachsenenalter kompliziertes Problem. Dies gilt für alle Formen des Schreibens, jedoch vornehmlich, ... für die Aufgabe, seine eigenen Gedanken - statt sie auszusprechen - zu Papier zu bringen.

Egon Weigl

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